Wie unsere Hilfe zu den Menschen in der Ukraine gelangt

Drei Fragen an Dr. Oleg Yastrebov rund um das Projekt von netzwerk mensch, Agaplesion Diakonieklinikum Hamburg und ÄrzteNetz Hamburg e.V.
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Mit einer Spendensumme von über 600.000 Euro in Form von Geld- und Sachspenden von rund 600 Unterstützer:innen leistete die gemeinsame Aktion von netzwerk mensch, dem Agaplesion Diakonieklinikum Hamburg und dem ÄrzteNetz Hamburg seit März einen wichtigen Beitrag zur Versorgung von Kriegsverletzen in der Ukraine. Dr. Oleg Yastrebov, Chefarzt der Fußchirurgie des Agaplesion Diakonieklinikums Hamburg und Mitglied beim ÄrzteNetz Hamburg e.V., sorgte zusammen mit seiner Kollegin Dr. Eva-Maria Arlt dafür, dass die richtige Auswahl an medizinischer Ausrüstung und Hilfsgütern zu den passenden Kliniken vor Ort gelangte.

Er stammt selbst aus der Ukraine und berichtet im Interview, wie er die Zeit seit Kriegsbeginn im März 2022 erlebt hat und worauf es bei der Hilfe wirklich ankommt.

[Translate to Deutsch (Schweiz):] Dr. Oleg Yastrebov, Chefarzt der Fußchirurgie
Herr Dr. Yastrebov, Hilfe wird an vielen Stellen in der Ukraine benötigt. Wie haben Sie die Auswahl von Hilfsgütern und belieferten Kliniken getroffen?

Zunächst muss ich sagen, dass mich die große Resonanz auf den Spendenaufruf sehr positiv überrascht hat. Als wir Materialien im Wert von 20.000 Euro vorab bestellt haben, waren wir unsicher, ob wir das über Spenden wieder reinholen. Dass die Summen später in die Hunderttausende gingen, konnten wir zu diesem Zentpunkt nicht ahnen. Das Ergebnis war eine starke Motivation für mich. Zugleich geht damit eine große Verantwortung einher. Über meine Kontakte vor Ort konnte ich den genauen Bedarf sehr gut ermitteln. Das war wichtig, damit jede Lieferung den Menschen vor Ort tatsächlich hilft. Zum Teil musste ich auch zusätzliche Informationen einholen, um die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Können Sie ein Beispiel für die Herausforderungen bei der Beschaffung nennen?

Hier fällt mir der Kauf von trockenen Blutprodukten ein, um Transfusionen trotz fehlender Kühlung durchführen zu können. Solche Themen waren für mich neu und ich musste mich fachlich beraten lassen, um Fehlkäufe zu vermeiden – schließlich ging es um große Mengen von 20.000 Einheiten. Bei der optimalen Verwendung der Geldmittel hatte ich zum Glück starke Unterstützung von meiner Kollegin Dr. Eva-Maria Arlt, Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie. Ihrem Engagement ist es auch zu verdanken, dass uns Hersteller umfangreiche Rabatte gewährt haben.

Die Hilfe basierte auf einer gemeinsamen Anstrengung vieler Beteiligter. Wie haben Sie die Zusammenarbeit in dieser Zeit erlebt?

Beeindruckt hat mich die gesamte Resonanz – übrigens auch bei uns im Klinikum. Sehr viele Kolleg:innen haben gespendet. Diese menschliche Seite so deutlich zu sehen, hat mir Kraft gegeben. Zudem habe ich in der Zeit viele Einzelschicksale erlebt. Das hat mich sehr berührt. Zugleich musste ich mich auf die fachliche Seite konzentrieren, damit ich die richtigen Entscheidungen treffe. Daran hängen letztlich Menschenleben. Hier den Fokus zu finden, war manchmal eine Herausforderung. Am Ende ist der Wille entscheidend, den Menschen zu helfen – und diesen Willen habe ich bei allen Beteiligten erlebt.


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